
Analoges Marketing wird wichtiger – weil die Fassade
des Digitalmarketings immer mehr Risse zeigt
Der Glanz bröckelt! Digitalmarketing, die heilige Kuh vieler selbsternannter Marketing-Experten, verliert an Attraktivität. Zu sehr stehen digitale Kanäle in der Kritik. Ob Google oder Meta: Milliarden-Euro-Strafzahlungen beweisen, dass die Giganten nur eines im Auge haben – ihren Profit. Allein 2025 verhängte die Europäische Union (EU) über 3,7 Milliarden Euro Bußgeld gegen Techkonzerne, darunter 2,95 Milliarden Euro gegen Google und 500 Millionen Euro gegen Apple. Meta zahlte zudem 479 Millionen Euro Entschädigung an spanische Medienhäuser für den unrechtmäßigen Einsatz von Nutzerdaten in personalisierter Werbung. Dass dabei – oftmals ungeschoren – gelogen und betrogen wird, macht es nur noch schlimmer. Wir kleben zu lange für zu wenig Wertvolles an Smartphones und Tablets. Kein Wunder, dass seit 2025 analoge Kommunikation wieder an Attraktivität gewinnt.
Der weltgrößte private Arbeitgeber, Walmart, nahm im August 2025 wieder Print-Werbung – einen Katalog – ins Marketing-Portfolio auf.Wie so oft liegt die Wahrheit nicht in den Extremen, sondern in der Mitte. Das Gute aus beiden Welten ist fĂĽr Unternehmen die Wahl der Stunde. Das sieht auch ein Beitrag auf dem Portal „Marketing Börse“ so, der zeigt, wie haptische Erlebnisse zusätzliche digitale Reichweite erzeugen können.
Aber können Unternehmen einfach so kehrtmachen? Schließlich hatten sie sich in den vergangenen fünf Jahren intensiv den Jüngern der Social-Media-Kanäle verschrieben – als plötzlich aus allen Ecken Content-Creator und Influencer quollen, sich zu Dumpingpreisen wie Hilfskräfte anboten und pure Wirkung versprachen.
Doch die Herrlichkeit verblasst, weil Reichweite allein keinen Euro in die Kassen spült. Gefragt ist wieder mehr Know-how, ein Mix aus analogen und digitalen Maßnahmen – zu finden bei qualifizierten Fachkräften. Unsere Welt ist komplexer und globaler geworden, das stellt Unternehmen vor große Herausforderungen. Man denke nur an die Künstliche Intelligenz (KI), die längst nicht mehr nur unterstützt, sondern zunehmend eigene Kampagnen entwickelt.
Unternehmen sind gut beraten, ihre Marketing-Kompetenzen unter die Lupe zu nehmen: Was können interne Kräfte, was externe Agenturen leisten? Auch hier ist das Leben nicht einfach – manche Tageszeitungsverlage und Druckereien bieten kreative Umsetzungen an, die primär dem Eigennutz dienen und wenig Wirkung bringen.
Dabei stellt sich die Frage, wann die Tageszeitungen endlich lernen, dass ihre Abkehr vom Druckerzeugnis in eine Sackgasse führt. Schwindet das Vertrauen in digitale Kanäle weiter, verlieren auch sie die Grundlage ihrer Arbeit – lebt ihr digitales Geschäftsmodell doch von genau jenen Werbeplattformen, die gerade an Vertrauen verlieren.

Ăśber den Autor
Thomas Schnelle ist Dipl.-Medienpädagoge, Reporter, Fachwirt-Marketing und seit 1991 geschäftsführender Gesellschafter des Oker11 media house, einer Marke der Ideeal Werbeagentur und Verlag GmbH. Er ist seit 2019 Dozent für Marketing und Social Media.